protzwort.de

Fräulein Brezinas wunderbare Welt des Wissens

Diddle mit Borderline Syndrom

August8

Beim Büchershoppen lasse ich mir gerne viel Zeit, denn in Buchhandlungen kann man so viele tolle Sachen sehen. Selbst wenn gerade keine akute Buchanschaffung zu tätigen ist, sind Bücherläden ein hervorragender Ort um sich mit allen möglichen Neuigkeiten vertraut zu machen. Spätestens hier kann man sich nicht mehr dem entziehen was wohl gerade einen Großteil der Nation bewegt. Irgendwoher tauchen dann zu jeder Gelegen- oder viel mehr Ungelegenheit eine Riesen Menge Fachbücher auf; vom, über und mit dem jeweiligen Phaszinosum der Kultur. Des Weiteren erhält man in einer Buchhandlung nicht nur Bücher sondern, so man denn will, sehr viel mehr. Angefangen bei einem guten Kaffee, bis hin zu einer ganzen Lebenseinstellung. Wer ein Tourismus Mitbringsel sucht, bekommt hier Nudeln in Form von örtlichen Kulturstätten, z.B. dem Kölner Dom, Taschen die aus Stadtplänen gemacht sind, oder einfach einen ganz großen bunten Bildband. Wer noch ein kleines Geschenk sucht, ist in der Abteilung mit Schreibutensilien für den stark extrovertierten Schreiberling gut aufgehoben, die ich persönlich auch immer wieder faszinierend finde. Da gibt es alles, vom glitzernden, beim schreiben blinkenden Plüschstift, über Designer Collegeblöcke, bis hin zu den extra important Zuschlag kostenden Kalendern für die ganz wichtigen Leute. In ungefähr dieser Region meines Lieblingsbuchladens ist auch Emily zu finden. Seit ich sie letzten April das erste mal gesehen habe läßt mich dieses Bild nicht mehr los. Mit vollem Namen heißt sie: Emily- the strange. Gut und schlüssig, wissen wir nun zumindest schon mal, dass sie irgendwie anders ist als die anderen. Das ist auch schon die Hauptinformation die uns ihre Herausgeber zukommen lassen. Es stellt sich die Frage wer kennt die ganze Wahrheit über Emily? Woher kommt sie? Ich glaube diese ganze Verschwörung durchschaut zu haben und werde versuchen hier Licht ins Dunkel zu bringen. weiterlesen »

fair enough, ein interessantes Wort … Kotlokken

Juli12

Vor kurzem habe ich geholfen die Memoiren meiner Oma Korrektur zu lesen (schreiben scheint also in der Familie zu liegen). Diese vorzügliche Gelegenheit machte mich natürlich auch mit ein paar neuen Anwärtern bekannt. Einer davon ist Kotlokken und das ist glaube ich auch das ungewöhnlichste Wort das ich aus dieser Lektüre herausgefiltert habe. Auf jeden Fall ist es das am schwierigsten zu recherchierende. Kotlokken sind Pfennige.
Also ein anderes Wort für Zahlungsmittel aus der Kindheit meiner Oma. Ich zitiere jetzt einfach mal aus ihren Memoiren:
“Für 10 „Kotlokken“ (Pfennige) bekam man schon ein schönes Stückchen Schlackwurst und auf Wunsch für 5 Pfennige eine Semmel (zwei zusammengebackene Brötchen) dazu.”
Als ich das las und anfing mich ein wenig für dieses Wort zu interessierten habe ich mich erinnert, dass meine Mutter kurz vor der Einführung des Euro immer den Witz gemacht hat: “Der erste der kommt und sagt:”Eyy, haste mal `nen Euro?”, der bekommt wirklich einen.” (wobei mir gerade auffällt, dass ich gar nicht weiß ob sie das auch wirklich gemacht hat?) Versuchen wir das ganze jetzt doch mal mit Kotlokken. Es müßte doch noch viel schöner sein, wenn jemand kommt und sagt: “Eyyy, haste mal `n paar Kotlokken?”. Es ist jedoch zu befürchten, dass dieser jemand etwas ganz anderes bekommt und lieber ganz schnell zurück in seine Zeitmaschine steigt, bevor er dann noch ernsthaften Streß bekommt. Wenn man so darüber nachdenkt gibt es meiner Meinung nach zwei Kategorien von Worten die man nicht versteht. Bei der einen denkt man, dass sie etwas ganz tolles heißen, obwohl man gerade auf Französisch aufs übelste Beschimpft wird. Die anderen, na ja, das ist dann so was wie “Kotlokken” da denkt jeder direkt das schlimmste. Deshalb, und weil es dem Wort am richtigen Flair und Klang mangelt, wird dieses Ungetüm doch nicht zum erklärt. Aber da es nach wie vor ein interessantes, ausgefallenes und sehr seltenes Wort ist, und weil ich so tolerant bin, landet es trotzdem hier, ist halt “other confused stuff”. Ich habe nämlich den Verdacht, dass sich die Leute die dieses Wort zur Zeit noch kennen an einer Hand abzählen lassen. Vielleicht findet dieser Irrläufer ja hier einen neuen Wirkungsbereich.

Protzverlust

Juni14

Im lauf der letzten Woche stellte sich erschreckenderweise heraus, dass auch unter meinen Freunden nicht alle mit dem Wort Vestibül vertraut waren. Da stellt sich zwingend die Frage wie das passieren konnte. Habe ich diese Personen vernachlässigt? Eher nicht, denn zumindest mit meiner Lern-Peer-Group wird in der Woche mehr Zeit verbracht als sonst irgendwem und gerade hier gestand mir mein Lieblings Scherz Opfer beim Mathe lernen, dass er mit ebendieser Vokabel bis zum Vorabend nichts anfangen konnte. An der Häufigkeit des benutzens kann es mit Sicherheit auch nicht liegen. Oder vielleicht doch, gerade daran? Können Wörter sich abnutzen? Wie ein Parfum dessen Duft man selber irgendwann schon kurz nach dem auftragen nicht mehr wahrnimmt? Verlieren Protzwörter mit der Zeit und unter häufigem benutzen ihre Protzigkeit? Das dürfte eigentlich nicht passieren. Ziel war ja diese Wörter bekannter zu machen.
Die Entdeckung eines neuen Protzwortes setzt einen ganzen Prozess in Gang. Das fängt an beim Aufmerken, wenn ein potentielles gelesen oder gehört wird. Dann wird die genaue Bedeutung und eine eventuell dahinter steckende Geschichte erforscht. Sobald genug Fakten über ein solches Wort bekannt sind wird es bewußt gebraucht, ganze Sätze werden nur zu diesem Zweck gesagt. Es steht also wirklich das Wort an und für sich im Vordergrund. Irgendwann ist das Wort dann in den natürlichen Sprachgebrauch alloziert und kann ohne viel Mühe genutzt werden, verliert dabei aber nicht seine Besonderheit, die gerade dieses Wort zum prädistiniert. So reaktiviert das benutzen von Protzwörtern einen bestimmten, bislang unbewußt als existent akzeptierten, Bestand an Worten. Die meisten Worte hat man zwar schonmal irgendwo gehört und konnte sie im Kontext auch richtige einordnen, blieb aber dabei stets auf der passiven Seite ohne das Wort selber sicher in den Sprachgebrauch einzubinden. Und hier setzt an, und ermöglicht das nutzen des gesamten, wunderbaren Sprachuniversums.
Zum Glück stellte sich später heraus, dass ein Großteil der anderen Protzwörter durchaus in Erinnerung geblieben waren. Also ist es wohl nur von den persönlichen Interessen abhänging welche Wörter man sich eher merkt. Ich bin seitdem aber sicher, dass sich erst eine Art Gleichgewicht herstellen muß. Die alltagssprache bis zu einem gewissen Sättigungsgrad mit Protzwörtern angereichert werden, um die Leichtigkeit des seins zu ermöglichen.