
Juli7
Wenn grad sonst alles Sonnenschein ist…. Und weil man vielleicht auch noch ein großer Goethe Fan ist und dessen Aussage: „Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen.” sehr zustimmt. Warum dann nicht ein bisschen Stress evozieren?
Das heutige Protzwort evozieren bedeutet heraufbeschwören, erzeugen, hervorrufen, bewirken, auslösen.
So kann man zum Beispiel durch dumm, angestrengte Gesprächs versuche eine an und für sich ganz angenehm tolle duoität zu einer absoluten Krampfhaftigkeit werden lassen. Indem man ganz einfach mit genügend bla, das eigentlich nur die eigene Unsicherheit und Ratlosigkeit mittelmäßig gut ausdrückt, eine für alle beteiligten unangenehme, und schwer zu rettende, Stimmung evoziert.
Diese Situationsherbeiführung aus akuter dramahaftigkeit zählt allerdings schon zum Bereich „evozieren für Fortgeschrittene“.
Für die Anfänger reicht es vollkommen aus sich möglichst worst- case- Szenarien für alle möglichen Eventualitäten auszudenken, die dann allerdings nie eintreten. Woher man weiß ob man sich zu den Fortgeschrittenen oder den Anfängern im Evozieren zählen sollte? Das ist verhältnismäßig einfach feststellbar: Der Anfänger denkt vor einer Klausur das er ganz unbedingt sicher durchfallen wird und sowieso keine Chance hat zu bestehen und besteht ebendiese Klausur dann im ersten Versuch, macht aber im Vorfeld alle in der Sperrzone befindlichen Personen so ein bisschen wahnsinnig. Der Fortgeschrittene geht hin, sagt: „Ich hab keine Chance diese Klausur zu bestehen.“ tut dies aber nur relativ leise kund und sorgt im Anschluss dafür, dass dies auch wirklich eintritt, die Klausur also nicht bestanden wird, wenn man lustig ist kann man dann noch ein trotziges „ich hab’s doch gesagt“ verkünden.
Wer selber nicht evozierend tätig werden möchte kann sich darauf beschränken seine Mitmenschen fröhlich auf ihr diesbezügliches tun aufmerksam zu machen. Das ist unter Umständen auch gesünder für das eigene Karma.
Noch nicht erforscht ist, wie sich das evozieren des Weltuntergangs durch Fortgeschrittene, auf die Begebenheiten des Universums auswirkt. Also Vorsicht! Mit guten tagen ist dann vielleicht erstmal Sonnenuntergang.

Juni30
Blümerant ist ein, angeblich sogar umgangssprachlicher, Ausdruck dafür, dass jemand verwirrt, schwach oder gar schwindlig ist. Schönere Bedeutungen und Verwendungsmöglichkeiten bieten die unangenehme Verzückung und das angenehme Erschrecken (dafür bin ich ja fast Expertin).
Seinen Ursprung hat es wahrscheinlich in einer Verballhornung des frz. ‘bleu mourant’ = `blass blau´, bzw. `sterbendes Blau´, aus der französischen Studentensprache des 17. Jahrhunderts. Damals, als einem noch nicht schwarz sondern blau vor Augen wurde… Ich wage ja zu behaupten, dass ein Wort sich nicht Umgangssprache schimpfen lassen sollte wenn es so selten, wie bei diesem Exemplar leider der Fall, benutzt wird. Dabei ist es ein so schöner Protzwort- Titel- Anwärter. Gemacht um Momente der Indisponiertheit zumindest in schöne Worte zu kleiden.
Ich schlage vor Blümerant nicht nur zu verwenden wenn man wirklich grad augenblicklich körperlich nicht momentan ist (was hoffentlich bei keinem der geneigtem Leser häufig der Fall ist). Vielmehr sehe ich hier großes Potential ein körperfernes Unbehagen zu formulieren, das vielleicht Themen abhängig sein mag oder situationsbedingt ist. Anstatt zu sagen „Darüber möchte ich nicht weiter reden.“ bietet es sich sehr wohl an „Mir wird schon ganz blümerant, lass uns das Thema wechseln.“ zu verkünden. Ebenfalls ganz wunderbar geeignet ist es einem Auszuarten drohenden Spaß, wie dem über das finnische Brüderpaar Merge`n´Daysing, Einhalt zu gebieten. Mit einer zur rechten Zeit empfundenen Blümeranz an und für sich kann man sich vor dem nahenden Wahnsinn eventuell noch retten.
Blümerant bekommt hiermit Protzwort Status verliehen. Ganz nach dem berechtigten Wunsch und durch die Anregung einer wunderbaren, diplomierten, besonderen *großen* Person. Auf das es ab sofort wirklich ein Teil der Umgangssprache werden möge und dies nicht nur auf dem Papier. Sind wir nicht alle ein bisschen Blümerant?

Juni4
Pünktlich nach einem Jahr Spaß mit Protzwort gibt es jetzt eine neue Kategorie. In diese soll nicht ganz ernst gemeinter, vielleicht auch nicht zu 100% Protz konsistenter Content einsortiert werden. Das heißt Wörter die zwar schön, aber keine Protzworte sind, an kleine Wortkonstruktkonstellationen die man so zusammengestellt eigentlich nicht benutzen würde kann hier die alles entscheidende Frage: „Warum eigentlich nicht?“ gestellt werden und ganz vielleicht entsteht hier auch mal ein kleiner Einblick welche Worte definitiv nicht zum Protzwort avancieren können.
Über den passenden, protzigen Titel für den neuen Bereich habe ich eine ganze Weile nachgedacht und dann noch eine weitere ganze Weile gebraucht um das Wort auf Konsistenz zu prüfen. Ab jetzt gibt es: „Klotters, für den etwas sinnbefreiteren Protzwort Spaß“. Klotters kenne ich aus demselben Grund wie das, dem geneigten Leser bereits bekannte, Wort Kokolores, nämlich vom Familiären Hintergrund her. Heute konnte dann endlich, durch einen Anruf bei einer mir bis dato unbekannten Tante Tilli, sichergestellt werden, dass es sich hierbei um Wasserpolnisch handelt. Das bedeutet Klotters entstand aus dem ursprünglich polnischen Wort Kloten im Oberschlesischen. Es ist, wenn man so will die Schlesische form des Seemannsgarn. Man verwendet es vorzugsweise wenn man der Meinung ist, dass jemand gerade versucht einem Blödsinn zu erzählen, einem einen Bären aufzubinden. Würde ich nie tun! Soviel ist klar! Ein typisches und zugleich auch fast das einzige, zumindest von Sinn her, Anwendungs beispiel ist: „Erzähl kein Klotters“, natürlich mit dem passenden ungläubigen Gesichtsausdruck. Viel Spaß damit!

April7
Manchmal neigt man ja dazu zu meinen das alles auf der Welt sehr, sehr super ist. Manchmal tut man das nicht. So ist das Leben. Für die ersteren Momente, also jene sondergleich wundervollen, des seins finden sich leicht angemessene Superlative. Bleibt die Frage welche angemessene Wortwahl man aber im zweiten fall treffen kann? Keinesfalls sollte man sich dem Risiko hingeben die Situation durch unsachgemäße Ausdrucksweise zu verschlimmern. Wer einen kurzen Augenblick in diese Überlegung zu investieren bereit ist wird mir schnell zustimmen, es gibt nur eine Lösung: Diese Welt braucht mehr Protz- Schimpfwörter.
Aus jahreszeitlicher sicht, vielmehr im anbetracht des nahenden Festtages, ist dieser Zeitpunkt besser als jeder andere geeignet um einen ganz besonderen Neuling hervorzuzaubern. Nachdem vor einiger Zeit der gern gebrauchte „Bagalut“ den Anfang machen durfte kommt heute das großartige „oviform“ neu hinzu.
Sowie der Bagalut sich durch seinen alten englischen Ursprung auszeichnet, so zeichnet sich oviform durch seine lateinischen Wurzeln aus. „ovis“ ist das „Schaf“, „form“ ist, ja was wohl, „Form“ oder auch „ähnlich“. Wir haben hier also eine Möglichkeit den Rest der Welt auf sein Schafförmiges oder Schafähnliches betragen aufmerksam zu machen. Für mich persönlich hängt oviform zusätzlich auch untrennbar mit Englisch zusammen.
Es handelt sich hierbei nämlich um ein kleines Relikt aus meiner Schulzeit. Mein früherer English Teacher (nennen wir ihn dr.v.D.) ist ein sehr interessanter Mensch. Eine unglaubliche Allgemeinbildung, Wortgewandt ohnegleichen und ebenso sarkastisch wie ungeduldig wenn mal wieder ein langsamerer Tag war.
Langsame Tage waren bei dieser Klasse wiederum keine Seltenheit. Wenn sich mal wieder das versammelte Team von nicht gerade überdurchschnittlich motivierten, jedoch für dieses Alter bereits mit einem außergewöhnlichen Teamgeist ausgestatteten, Teens im Kollektivschweigen und woanders hinschauen übte, ja dann nahm es seinen Anfang.
Es verging kaum eine Woche ohne den schönen Satz des dr.v.D: „Jetzt guck nicht so oviform!“ Wahlweise wurde diese Aufforderung mit einem Namen Versehen, also quasi personalisiert, oder mit einer immer wieder eindrucksvollen Beweisführung untermauert.
Bei dieser Art von Beweisführung spielt die Gestik eine ungemein wichtige Rolle. Man werde sich der Existenz einer (tunlichst der eigenen) linke Hand gewahr. Hiervon ist nun der Zeigefinger von größter Bedeutung. Jetzt kommt es sehr darauf an die folgenden beiden Schritte synchron auszuführen. Der nächste Satz ist quasi die Spitze der bereits begonnenen Provokation: dr.v.D: „ In America.“ Und in eben diesem Satz nutze man die linke Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger um eine ganz und gar nicht kleine und ebenso wenig unauffällige Geste auszuführen. Man weise schlichtweg mit viel Ausdruck auf ein Stück freien Boden neben sich. Dabei spreche man obiges aus. Das ist alles.
Ich bin mir nie so ganz einig geworden ob das nun nur mit leicht konditionierten Gymnasiasten funktioniert oder einfach wirklich ein Reflex ist. Wenn es ein Reflex ist dann ein sehr merkwürdiger, den ich mir dank meines mehrjährigen Trainings weitestgehend abgewöhnen konnte. Der Schüler an sich zumindest starrte bei obigen Exempel meistens auf das Stück Boden auf das gewiesen wurde. Nicht, dass das auch nur im Entferntesten mit „America“ zu tun hätte. Der English Teacher war zumindest meist „hocherfreut“ wenn sein test wieder nicht bestanden wurde. Aber wer so schön oviform in die Gegend schauen kann wie wir damals….
Also, wenn das nächste Mal einer wider so gar nix rafft oder einfach nur nervig in die Gegend schaut, besinnen wir uns einen Augenblick und dann: „Mensch jetzt guck net so oviform!“
Ich wünsche euch allen Frohe Oster Feiertage! Die armen Lämmer dürfen sich ruhig schon im oviform dreinschauen üben, wo sie doch sonst selten genug die ausreichende Beachtung finden wenn sie dergleichen tun.

Januar9
Ein neues Jahr bringt neue Protzworte. Weil ja nun gerade am Jahresanfang noch so vieles vor einem liegt, ein ganzes neues Jahr eben, passt das heutige Protzwort ganz ausgezeichnet. Das liegt wohl hauptsächlich an der Zukunftsbezogenheit von fürderhin.
Was sagt man denn eigentlich wenn man dieses Wort in einen Satz einbaut? Nun, es beutet soviel wie „des weiteren“, „außerdem“, oder „in Ergänzung hierzu ist noch zu sagen/beachten“.
Nehmen wir zum Beispiel eine abschließende Planungsphase. Der Satz: „Außerdem müssen die Briefe nächste Woche rechtzeitig verschickt werden. “ wird fürderhin ersetzt durch: „Fürderhin sind die Briefe zeitig zu verschicken. “. Denn man will sich seine Verhandlungspartner ja auch später noch gewogen halten und mehr motivieren als delegieren. Oder zum Abschluss einer Abmachung: „Fürderhin bringt Xaver (natürlich der kleinste) den Müll raus.“
Für gewöhnlich stellt sich fürderhin am Satzanfang am Geschicktesten auf. Das hat in vielen fällen sicher den Vorteil, dass es ein wenig den Überraschungsmoment vorweg nimmt. In manchen Fällen ist es sicher günstiger wenn man ein auflockerndes Element für das Satzende hat. Für Satzenden bietet sich dieser Kandidat allerdings nicht gerade an. Wird trotzdem eine Platzierung zum Satzende hin versucht, so mutet in den meisten fällen der Satzbau etwas merkwürdig an. Aber es muss schließlich auch Wörter für den Satzanfang geben, sonst bräuchte man den ganzen Rest ja erst gar nicht. An diesen Satzanfängen kann es dann auch einiges ausrichten. Das sieht man auch sehr schön an folgenden zwei Beispielen:
„ Fürderhin beabsichtige ich nicht mehr darüber zu debattieren.“
„ Fürderhin bist du jederzeit gerne hier gesehen.“
Das eine sehr positiv, das andere eher nicht so, beide sind in dieser Form definitiv umsetzbar.
Wie gerne würde ich es sehen wenn meine Professoren am ende jeder ihrer Vorlesungen einen Ausblick auf das zukünftig zu erwartende geschehen geben würden. Zum Beispiel mit den Worten: „Fürderhin werden wir nächste Woche die Ackermann Funktion beweisen.“. Mal sehen ob sich da was machen lässt.
Wir hingegen werden fürderhin in der nächsten Woche auf mindestens ein neues Protzwort treffen. Das ist ja auch viel besser.

Dezember31
Ich kenne dieses Wort wenn ich mich richtig erinnere aus dem Nördlichen Teil von Deutschland, Ecke Ostfriesland. Zumindest verbinde ich damit einige viele Erinnerungen an meinen Opa und seine Erzählungen. Ich hatte es selber schon einigermaßen vergessen. Bis ich eines frühen Abends einen Anruf erhielt in dem das Wort Kokolores eine Zentrale Bedeutung hatte. Im Zuge dieses Telefon Gesprächs fiel dann auch die Entscheidung es hier zu verewigen.
Was bringt uns dieser neue Protzwort Part denn mit sich? Er ist zum Beispiel ein äußerst adäquater Ersatz für „Quatsch“ oder „Unsinn“, was immer schnell sehr hart klingen kann. Kokolores hingegen wirkt immer noch freundlich und locker, was wahrscheinlich an den mehrfach vorkommenden Buchstaben in diesem Wort liegt, die ihm etwas fast schüchternes verleihen. Mit Kokolores bezeichnet man am besten Dinge die keinen Sinn ergeben, die keiner Logik folgen.
Woran erkennt man nun diesem „Unsinn“? Als Beispiel möchte ich an dieser Stelle den bekennenden Linguisten Noam Chomsky zitieren, der einmal als Beispiel für Unsinn gesagt haben soll: „Colorless green ideas sleep furiously“. Das macht logisch keinerlei Sinn. In der Poesie hingegen kann diese Aussage durchaus gerechtfertigt sein.
Nun da wir wissen wie wir Kokolores grob erkennen können stellen wir uns einmal folgendes abschließendes Plenum vor, in dem endgültige Beschlüsse getroffen werden sollen. Alles läuft gut, der Konsens ist fast perfekt, als irgendein Schnarcher anfängt auf Kleinigkeiten die eigentlich ohnehin irrelevant oder inhärent klar sind herum zu hacken. Da kann man denjenigen ja schlecht mitteilen dass es sich bei seinen Belangen um Kleinkarierten Quatsch handelt, das wirkt sonst ja unprofessionell und der andere könnte sich angegriffen fühlen. Ein „Den Kokolores klären wir dann bei einem Bier im Anschluss“ hingegen geht da schon eher. Als so angesprochener geht man dann auch eher wirklich noch ein Bier trinken als wenn man in solch einer Situation gesagt bekommt, dass man Unsinn erzählt.
Im Großen und Ganzen ist es immer eine eher nett gemeinte Aussage die mit Kokolores verbunden wird. Wenn jemand zum Beispiel etwas viel zu umständlich macht und man genau weiß wie man ihm helfen kann ist es viel besser zu sagen „Du machst da aber grad Kokolores“ anstatt „Das ist aller unnötiger quatsch den du da machst.“ Man hat also die Wahl zwischen vors Schienbein treten und konstruktiv sein.
Ist man hingegen in einem anderen Fall gerade sehr konzentriert und will am liebsten gar nicht gestört werden, so kann man für den Fall, dass doch ein Störenfried auftaucht mit einem „Lass mich zufrieden mit deinem Kokolores“ sehr schnell signalisieren was Sache ist ohne das der andere, der zuvor ja in den meisten Fällen nicht ahnen konnte, dass er gerade fehl am platze ist, sich vor den Kopf gestoßen fühlen muss.
Für mich ist Kokolores aber nicht nur ein synonym für Unsinn. Ich denke beim schreiben dieser Zeilen, aus mir nicht ganz nachvollziehbaren Gründen, an ein kleines dunkelblaues Samtsäckchen in dem man Kokolores hat. Das Säckchen ist natürlich in goldenen Lettern mit dem Wort Kokolores bestickt.
Denn eigentlich ist Kokolores ja etwas tolles, sind es doch meistens die kleinen nicht unbedingt sehr sinnigen Sachen die besonders Freude machen, ein einzelner Sonnenstrahl der alles noch ein wenig schöner erscheinen lässt. Deshalb ist Kokolores auch mit Recht ein Protzfühlwort.

Dezember25
Dabei fing alle ganz harmlos an, nämlich mit dem Entschluss „ Jeppa, das passt, das wird das nächste Protzwort.“ gefolgt von dem Beginn einer kleinen Ausformulierung. Im Zuge derer ich anfing mir einige viele Gedanken zu machen. Es kam wie es irgendwann mal kommen musste. Gewissermaßen zu spät. Seitdem will ich „anheimgefallen“ so ungemein gerne als neues Protzwort küren. Kann aber nicht. Warum nicht? Nun es mangelt gewiss nicht am guten Willen oder adäquaten Einfällen zwecks Umsetzung. Was das ganze bis heute und wohl leider auch für die Zukunft verbaut ist die Rechtschreibreform. Es steht auf der Liste der ungeklärten Fälle in der Zeit. In diversen anderen Quellen, wie auch in meinem Duden steht es als „anheim“ „gefallen“. Zwei Wörter also! Sieht total ’un’ aus. Das schreibt doch dann auch keiner mehr freiwillig.
Wie mag das damals wohl von statten gegangen sein? Vielleicht in etwa so: Es begab sich nun also zu einer Zeit, da die Rechtschreibung reformiert werden sollte. Nichts böses ahnend schaute unser heutiger ehemals Protzwort Kandidat diesem entgegen. Welch Schock muss es da gewesen sein, als es aus dieser Prozedur dann völlig verstümmelt wiederkehrte? So wird dies nun heute ein Nachruf auf das ehemals formidabel geeignete, von mir persönlich eigentlich sehr gerne zum Protzwort ernannte „anheimgefallen“ das leider vorzeitig Entprotzt und zu „anheim“ „gefallen“ entstellt wurde.
anheimgefallen drückt aus etwas machtlos verfallen zu sein. Der Dinge zu harren die da kommen mögen, weil es einfach nicht anders geht. Jemand ist etwas anheimgefallen. Am morgen nach einer durchfeierten Nacht dürfte es keine bessere und effektivere Erklärung als: „Ich bin dem Alkohol anheimgefallen.“ geben. Viel mehr als möglichst viel Verständnis darf man in solchen Momenten ohnehin nicht erwarten. Ist man aber schon am frühen morgen wieder in der Lage den Vorabend auf so kultivierte, wohl klingende und leicht selbstironische weise zu resümieren, dann wird einem sicher schon viel eher die Verspätung zum Meeting vergeben. Obiges Beispiel kann natürlich nur von jenen gewinnbringend auch im halb umnachteten Zustand angebracht werden welche von sich auch behaupten können: „ Ich bin der Protzwort Nutzerei anheimgefallen.“. Das klingt doch schon so dermaßen reizend, dass es einem glatt ebenso ergehen mag. Das ist dann wohl Protzwort nutzen zu Eigenkosten.
In Anbetracht der heutigen schreib reformierten Lage soll all das nun wohl vielmehr ein schöner Gedanke bleiben? Es sei denn wir benutzen es unauffällig im Sinne der alten Rechtschreibung weiter. Nur wer auch was riskiert Protzt richtig. Dieser unverschuldet auf die ungeklärte Liste verschobene Kandidat wird hiermit also das heutige neue Protzwort ehrenhalber: „anheimgefallen“, für all jene die das Risiko beim Protzwort nutzen nicht scheuen.

Oktober17
Nach sehr (sehr, sehr, sehr, …) langer Protzwort Abstinenz endlich wieder ein neues Element für den Grundwortschatz. Auch wenn ich hier Langezeit nichts neues veröffentlicht habe, so bin ich doch nach wie vor den Protzwörtern anheimgefallen. Das erste neue Protzwort ist jedoch nicht anheimgefallen selber (das gibt es ~ nächstesmal) sondern der Klassiker inhärent. Dieses Wort wird den meisten schon geläufig sein, jedoch ist es meistens so inhärent im Wortschatz enthalten, dass man fast vergißt es zu benutzen. Mit ihm läßt sich sehr einfach und wohlklingend verbalisieren, dass zwei Dinge zwangsweise zusammen gehören, sie bilden ein Paar, wobei das eine das andere impliziert. Es bezeichnet Eigenschaften, die einander anhaften, einander innewohnen. So kann man im gesprochenen Wort eine Beständigkeit verbalisieren die jede Kernaussage aufs treffendste unterstreicht. Aussagen die ich ganz automatisch mit inhärent verknüpfe sind Dinge wie “Der Begeisterung für die Analysis Vorlesung ist die Studie des Buches von Otto Forster inhärent.” Den Satz “Das ist inhärent schwachsinnig.” äußere ich zugegebenermaßen gerne mal in kleinen Diskussionen, wenn man sich ohnehin gerade im Kreise dreht. Es unterstreicht den Zustand des absoluten Durchblick Habens sofern man diesen hat, und hilft ansonsten dabei gekonnt über den Zustand der Ahnungslosigkeit hinweg täuschen und ist auch noch als Antwort auf jegliche Nonsens Aussagen zu benutzen: “Da ist ja inhärent klar.” Hier zeichnet sich bereits die multifunktionalität dieses Protzklassikers ab, aber das geht noch um einiges weiter. Wir wissen alle das man möglichst nicht pauschalisieren soll. Wenn allerdings statt “Immer kommt die Bahn zu spät.” Auf ein weniger jammerig klingendes “Die Bahn ist inhärent verspätet.” ausgewichen wird, fällt die pauschalisierung sofort weniger ins Gewicht. “Du bist morgens inhärent schlecht gelaunt.” Könnte vielleicht sogar zur Vorübergehenden Abhilfe vom angesprochenen Problem verhelfen. Es entlockt dem angesprochenen zumindest eher ein schmunzeln als ein nörgelndes “Immer hast du morgens so schlechte Laune.” Schließlich macht der Ton die Musik und der Klang von Protzwörtern ist immer einige Nuance angenehmer. Da dieser Klassiker der Protzwörter so vielseitig einsetzbar ist handelt es sich ganz offensichtlich, ob der vielen inhärenz Beziehungen dieser Welt, um ein Viel- Protz- Wort. Und genau das sollten wir auch tun: viele Protzwörter benutzen. Damit wünsche ich einen guten Start in das neue Wintersemester und verspreche das es hier ab jetzt wieder regelmäßig neue Protzwörter und andere interessante Protzwort nahe Neuigkeiten gibt.