Blümerant ist ein, angeblich sogar umgangssprachlicher, Ausdruck dafür, dass jemand verwirrt, schwach oder gar schwindlig ist. Schönere Bedeutungen und Verwendungsmöglichkeiten bieten die unangenehme Verzückung und das angenehme Erschrecken (dafür bin ich ja fast Expertin).
Seinen Ursprung hat es wahrscheinlich in einer Verballhornung des frz. ‘bleu mourant’ = `blass blau´, bzw. `sterbendes Blau´, aus der französischen Studentensprache des 17. Jahrhunderts. Damals, als einem noch nicht schwarz sondern blau vor Augen wurde… Ich wage ja zu behaupten, dass ein Wort sich nicht Umgangssprache schimpfen lassen sollte wenn es so selten, wie bei diesem Exemplar leider der Fall, benutzt wird. Dabei ist es ein so schöner Protzwort- Titel- Anwärter. Gemacht um Momente der Indisponiertheit zumindest in schöne Worte zu kleiden.
Ich schlage vor Blümerant nicht nur zu verwenden wenn man wirklich grad augenblicklich körperlich nicht momentan ist (was hoffentlich bei keinem der geneigtem Leser häufig der Fall ist). Vielmehr sehe ich hier großes Potential ein körperfernes Unbehagen zu formulieren, das vielleicht Themen abhängig sein mag oder situationsbedingt ist. Anstatt zu sagen „Darüber möchte ich nicht weiter reden.“ bietet es sich sehr wohl an „Mir wird schon ganz blümerant, lass uns das Thema wechseln.“ zu verkünden. Ebenfalls ganz wunderbar geeignet ist es einem Auszuarten drohenden Spaß, wie dem über das finnische Brüderpaar Merge`n´Daysing, Einhalt zu gebieten. Mit einer zur rechten Zeit empfundenen Blümeranz an und für sich kann man sich vor dem nahenden Wahnsinn eventuell noch retten.
Blümerant bekommt hiermit Protzwort Status verliehen. Ganz nach dem berechtigten Wunsch und durch die Anregung einer wunderbaren, diplomierten, besonderen *großen* Person. Auf das es ab sofort wirklich ein Teil der Umgangssprache werden möge und dies nicht nur auf dem Papier. Sind wir nicht alle ein bisschen Blümerant?
Ich kenne dieses Wort wenn ich mich richtig erinnere aus dem Nördlichen Teil von Deutschland, Ecke Ostfriesland. Zumindest verbinde ich damit einige viele Erinnerungen an meinen Opa und seine Erzählungen. Ich hatte es selber schon einigermaßen vergessen. Bis ich eines frühen Abends einen Anruf erhielt in dem das Wort Kokolores eine Zentrale Bedeutung hatte. Im Zuge dieses Telefon Gesprächs fiel dann auch die Entscheidung es hier zu verewigen.
Was bringt uns dieser neue Protzwort Part denn mit sich? Er ist zum Beispiel ein äußerst adäquater Ersatz für „Quatsch“ oder „Unsinn“, was immer schnell sehr hart klingen kann. Kokolores hingegen wirkt immer noch freundlich und locker, was wahrscheinlich an den mehrfach vorkommenden Buchstaben in diesem Wort liegt, die ihm etwas fast schüchternes verleihen. Mit Kokolores bezeichnet man am besten Dinge die keinen Sinn ergeben, die keiner Logik folgen.
Woran erkennt man nun diesem „Unsinn“? Als Beispiel möchte ich an dieser Stelle den bekennenden Linguisten Noam Chomsky zitieren, der einmal als Beispiel für Unsinn gesagt haben soll: „Colorless green ideas sleep furiously“. Das macht logisch keinerlei Sinn. In der Poesie hingegen kann diese Aussage durchaus gerechtfertigt sein.
Nun da wir wissen wie wir Kokolores grob erkennen können stellen wir uns einmal folgendes abschließendes Plenum vor, in dem endgültige Beschlüsse getroffen werden sollen. Alles läuft gut, der Konsens ist fast perfekt, als irgendein Schnarcher anfängt auf Kleinigkeiten die eigentlich ohnehin irrelevant oder inhärent klar sind herum zu hacken. Da kann man denjenigen ja schlecht mitteilen dass es sich bei seinen Belangen um Kleinkarierten Quatsch handelt, das wirkt sonst ja unprofessionell und der andere könnte sich angegriffen fühlen. Ein „Den Kokolores klären wir dann bei einem Bier im Anschluss“ hingegen geht da schon eher. Als so angesprochener geht man dann auch eher wirklich noch ein Bier trinken als wenn man in solch einer Situation gesagt bekommt, dass man Unsinn erzählt.
Im Großen und Ganzen ist es immer eine eher nett gemeinte Aussage die mit Kokolores verbunden wird. Wenn jemand zum Beispiel etwas viel zu umständlich macht und man genau weiß wie man ihm helfen kann ist es viel besser zu sagen „Du machst da aber grad Kokolores“ anstatt „Das ist aller unnötiger quatsch den du da machst.“ Man hat also die Wahl zwischen vors Schienbein treten und konstruktiv sein.
Ist man hingegen in einem anderen Fall gerade sehr konzentriert und will am liebsten gar nicht gestört werden, so kann man für den Fall, dass doch ein Störenfried auftaucht mit einem „Lass mich zufrieden mit deinem Kokolores“ sehr schnell signalisieren was Sache ist ohne das der andere, der zuvor ja in den meisten Fällen nicht ahnen konnte, dass er gerade fehl am platze ist, sich vor den Kopf gestoßen fühlen muss.
Für mich ist Kokolores aber nicht nur ein synonym für Unsinn. Ich denke beim schreiben dieser Zeilen, aus mir nicht ganz nachvollziehbaren Gründen, an ein kleines dunkelblaues Samtsäckchen in dem man Kokolores hat. Das Säckchen ist natürlich in goldenen Lettern mit dem Wort Kokolores bestickt.
Denn eigentlich ist Kokolores ja etwas tolles, sind es doch meistens die kleinen nicht unbedingt sehr sinnigen Sachen die besonders Freude machen, ein einzelner Sonnenstrahl der alles noch ein wenig schöner erscheinen lässt. Deshalb ist Kokolores auch mit Recht ein Protzfühlwort.
Studenten haben meines Erachtens inhärent einen etwas merkwürdigen schlaf- wach Rhythmus, die einen natürlich mehr die andern weniger. Informatiker gehören wohl eher zu den einen, sie bilden da keine Ausnahme sondern viel mehr ein Extremum. Wenn es sich dann auch noch um Kaffee begeisterte, leicht unvernünftige Informatiker handelt bedarf es hierbei keiner Diskussion, sondern viel dringender eines Protzwortes um das, manchmal doch etwas verstrahlte durch die Gegend tapern, oder auch einfach nur Nächte am PC verbringen, zumindest nett zu umschreiben. Dafür und nur dafür, gibt es jetzt ganz neu somnambul. Dieses global tolle Wort bildet sich aus lat. somnus = schlaf und abulare = umhergehen, das ergibt: im schlaf umhergehen. Wenn man das ganze dann noch in einen etwas vernünftigeren Ausdruck verpackt erhalten wir Schlafwandeln, oder auch, was ich schon sehr viel schöner finde, Mondsüchtig. Wobei ich gerade feststelle, dass ich meines Wissens noch niemanden kennengelernt habe der tatsächlich dieser Angewohnheit frönt und des Nachts im Tiefschlaf wandern geht. Um so wichtiger ist es sich darüber klar zu werden, dass mit somnambul ein sehr viel weitreichenderer Umstand des wach seines im schlaf betitelt werden kann. Es lässt sich für viele dieser kleinen Abstufungen zwischen Hellwach und Tiefschlaf verwenden. Denn selbst bei hoch konzentrierten Tätigkeiten, oder vielleicht auch gerade hierbei, läuft man Gefahr auf eine gewisse weise Hypnotisiert und somit doch nicht ganz wach zu sein. Oder ganz trivial das andere Extrem, wenn man einfach zum entspannen auf stand- by geschaltet ist und dabei zwar wach aussieht, aber wirklich gar nichts von der Außenwelt mitbekommt. Etwas greifbarere, häufiger vorkommende und Konkretere Fallbeispiele die mir gerade einfallen fangen an bei den langen Nächten am Schreibtisch; gehen über späte, oder meistens eher frühe morgendliche, Heimwege von Partys; und enden beim schlaflosen im Bett liegen und auf den Schlaf warten, natürlich erfolglos, um dann eine Stunde bevor der Wecker klingelt aufzustehen, einen Hektoliter Kaffee mehr als gewöhnlich zu trinken und im Zug einzuschlafen sobald man sich hinsetzt, dann aber in der Uni hellwach zu sein. Also insgesamt sehe ich jede menge Möglichkeiten für mich dieses schöne Wort zu verwenden. Weich und warm wie es klingt ordne ich somnambul den Protzfühlworten zu, es macht aus diesem Lebensumstand durch seine pure Verlautbarung etwas ganz anderes. Man fühlt sich doch schon viel besser wenn die sehr kurze Nacht in ein neues Protzwort gekleidet wurde. Wer will denn da noch einfach schlaflos sein? — ich fühl mich heut so somnambul —




